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Breite Einigung zur Zukunft der Gemeindewohnungen: 28 von 30 Gemeinderäten unterstützen Grundsatzbeschluss

Die Stadt Bruck an der Mur hat einen historischen Beschluss gefasst: Mit einer breiten Mehrheit von 28 von 30 Stimmen – getragen von ÖVP, FPÖ, SPÖ, Neues Bruck, NEOS und Grünen – wurde ein Grundsatzbeschluss zur Neuausrichtung der Gemeindewohnungen verabschiedet. Lediglich die KPÖ schloss sich der Einigung nicht an. Damit ist der Weg frei für eine strukturelle Lösung eines Problems, das die Stadt seit rund einem Jahrzehnt belastet.

(v.l.n.r.) Kletus Schranz (Neues Bruck), Vizebürgermeister Gregor Tuttinger (SPÖ), Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger, Vizebürgermeister Raphael Pensl (FPÖ) und Finanzreferent Helmut Sommer (ÖVP) stellten heute im Rahmen einer Pressekonferenz die Einigung vor – nicht am Bild Petra Schirnhofer (Grüne) und Sebastian Wintschnig (Neos), die den Grundsatzbeschluss ebenso mittragen.

Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger betonte in ihrem Statement, dass dieser Tag ein Wendepunkt für die Stadt sei. „Heute ist ein wichtiger Tag für Bruck an der Mur. Ein Tag, an dem wir zeigen, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen und die Zukunft unserer Stadt aktiv gestalten. Nach langen, intensiven und konstruktiven Gesprächen ist es uns gelungen, über die Grenzen fast aller Parteien hinweg ein Problem zu lösen, das uns seit rund zehn Jahren begleitet.“

Sie erinnerte an die Budgetpräsentation Ende 2025, in der erstmals offen dargelegt wurde, wie zentral eine verantwortungsvolle Finanzpolitik für die Zukunft der Stadt ist. Konsolidierung könne nicht allein durch Sparen oder Mehreinnahmen erfolgen, sondern brauche Lösungen für strukturelle Herausforderungen. Der Wohnungsbereich sei dabei das größte Problemfeld gewesen: hoher Sanierungsbedarf, fehlende Rücklagen, steigender Leerstand und ein jährliches Defizit von über einer halben Million Euro.

„Wenn jede vierte Wohnung leer steht, müssen wir handeln“, so Kaltenegger. Die nun gefundene Einigung sieht vor, einen Teil der Gemeindewohnungen zu veräußern, um die finanziellen Abgänge zu reduzieren und gleichzeitig die größte Sanierungsoffensive einzuleiten, die es in Bruck je gegeben hat. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen durch Sanierungen attraktiven Wohnraum schaffen, den Leerstand senken und den defizitären Betrieb auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen. Damit sichern wir langfristig Qualität, Leistbarkeit und Stabilität – für die Mieterinnen und Mieter und für das Budget unserer Stadt.“

Mit dem Grundsatzbeschluss beginnt nun die Trendwende in der Bewirtschaftung der Gemeindewohnungen. Eine Steuerungsgruppe wird in den kommenden Wochen eingesetzt, um den Prozess professionell zu begleiten. Aus Gründen des Schutzes der städtischen Interessen können derzeit keine Detailangaben zu Verkaufsmodalitäten gemacht werden. Kaltenegger betonte abschließend, dass die Einigung ein starkes Signal an die Bevölkerung sei: „Es ist möglich, in Bruck an der Mur selbst zu kontroversiellen Themen eine gemeinsame Lösung zu finden. Für diese ehrliche Bereitschaft möchte ich mich ausdrücklich bedanken.“

Statements der Stadtregierung und der Fraktionen

2. Vizebürgermeister Raphael Pensl (FPÖ)

Wir werden als Stadt natürlich dafür Sorge tragen, dass auch zukünftig leistbarer Wohnraum für alle Generationen zur Verfügung steht. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf soziale Härtefälle und werden weiterhin für Notsituationen ausreichend Wohnraum in der Stadt zur Verfügung haben. Danke, dass dieser parteiübergreifende Schulterschluss zustande gekommen ist.

1. Vizebürgermeister Gregor Tuttinger (SPÖ)

Der Verkauf von Gemeindewohnungen ist ein emotionales Thema, aber wir sind der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, dass der Bestand attraktiv zu saniert wird und modernes, attraktives Wohnen erweitert wird.

Finanzreferent Helmut Sommer (ÖVP)

Dieser politische Schulterschluss ist eine ganz historische Chance für Bruck, wir werden damit nicht nur unser Budget nachhaltig entlasten, sondern wir starten damit auch die größte Sanierungsoffensive für Gemeindewohnungen, die es jemals in Bruck an der Mur gegeben hat.

Kletus Schranz (Neues Bruck)

Für uns war beim Teilverkauf der Gemeindewohnungen nicht die Frage ob, sondern wie. Wir haben nun einen guten Konsens gefunden, um die Bewirtschaftung maßgeblich zu verbessern. 

Sebastian Wintschnig (NEOS)

„Ich bin froh, dass es nach intensiven Verhandlungen nun gelungen ist, eine fraktionsübergreifende Lösung zu finden. Dieser mehrheitlich getroffene Beschluss sorgt dafür, dass sich endlich ein zusätzlicher Spielraum für die Stadt bei den Gemeindewohnungen eröffnet.“

Petra Schirnhofer (Grüne)

„Ich unterstütze diesen Schritt, weil er hilft, den großen Leerstand zu verringern und die verbliebenen Wohnungen endlich gut instand zu setzen. Wichtig ist mir, dass Wohnen in Bruck leistbar bleibt und die soziale Verantwortung der Stadt gewahrt wird. Der gemeinsame Beschluss ist ein sinnvoller und notwendiger Weg nach vorne.“

Hintergrund

Der Betrieb der über 700 Gemeindewohnungen belastet das Stadtbudget seit Jahren massiv. Rund 25 Prozent der Wohnungen stehen leer, viele davon befinden sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Der jährliche Abgang beträgt rund 545.000 Euro – Tendenz steigend. Die nun beschlossene Lösung ermöglicht erstmals strukturelle Eingriffe, um den Wohnungsbestand zu modernisieren, Leerstand zu reduzieren und die finanzielle Stabilität der Stadt zu sichern.