Geschichte des Waldhorns

Die ältesten Blasinstrumente waren Schneckenhörner, die vermutlich aus Assyrien kommen oder der vorarischen Induskultur entstammen. Man benutzte sie für Kulte um etwa 2000 bis 1500 v. Chr.

Altmexikanische Priester brauchten ein Schneckenhorn, das sie Tecciztli oder Quiquiztli nannten, zum Beschwören von Regengöttern.

Sehr häufig waren auch Blashörner, die man aus dem gehöhlten Gehörn oder den ausgebohrten Stosszähnen von Tieren machte.

Das altjüdische Schofar ist bereits aus der Bibel durch seinen unwiderstehlich mauerbrechenden Posaunenton und auch als heiliges Instrument bekannt. Es ist ein mundstückloses Widderhorn, das auch die Festung Jericho einzurennen half. Heute wird es im jüdischen Ritus von Leviten am Neumondstage geblasen und verkündet feierlich das Versöhnungsfest und das neue Jahr.

Als im 7. Jahrhundert v. Chr. Die Etrusker nach Mittelitalien kamen, brachten sie nicht nur griechische Einflüsse, sondern auch ihre etruskischen Hörner aus Terrakotta ins Land. Diese waren recht grob, aber doch zweckmäßig gefertigt. Sie hatten eine zum Halbkreis gebogene Form, die wir bei den "Halbmond" genannten Jagdhörnern aus dem 17. und 18. Jahrhundert wiederfinden. Während die Römer die Etrusker unterwarfen, entwickelte sich ihr gut organisiertes Militär-Signalwesen. Bei den dabei gebrauchten Instrumenten finden wir auch das von den Etruskern übernommene Cornu wieder.

Meist paarweise nebeneinander fand man bei Ausgrabungen bronzezeitliche Luren. Ihnen allen gemeinsam ist eine prächtig ausgeglichene Form. Das zwei bis drei Meter lange Rohr ist jeweils spiegelbildlich in schönem S- oder fragezeichenähnlichem Schwung den Stosszähnen des Mammuts nachgebildet.

Der Kalif Harun al Raschid soll Karl dem Grossen ein Elfenbeinhorn geschenkt haben. Es ist ein mit Schnitzereien reich verzierter, kunstvoll ausgehöhlter Stosszahn eines Elefanten, einer der Olifante, wie sie etwa seit dem 10. Jahrhundert als besondere Kostbarkeiten von Byzanz nach Europa gelangten. Der Besitzer eines solchen wurde geehrt. Ihre Wegnahme machte ehrlos und galt als grosse Schande.

In den Jahren 1636 und 1734 fanden Bauern beim Pflügen in der Nähe von Tondern in Dänemark zwei Hörner aus purem Gold. Es waren Zeugnisse hoher germanischer Frühkultur. Sie wurden beide gestohlen und dann wahrscheinlich eingeschmolzen.

Im 15. und 16. Jahrhundert verwendeten Nachtwächter, Feuerwärter, Türmer, Jägerknechte, Hirten, Bäcker, Metzger und Postillione für ihre Signale mehr oder weniger grosse, einfache Rinderhörner.

Eine Bastlernatur unter den Schweizer Hirten muss im 16. Jahrhundert auf die Idee gekommen sein, aus einem kleinem Bäumchen ein Rohr zu machen, um es zum Blasen zu verwenden. Diese Hirtenhörner sind die Vorfahren des Schweizer Alphorns.

Im 16. und 17. Jahrhundert wird der erste Schritt getan, um aus dem einfachen Jägerhorn mit nur einem einzigen Zufallston ein Horn zu machen, mit dem man einen oder auch mehrere bestimmte Töne erzeugen konnte.

Um 1500 müssen es findige Köpfe fertiggebracht haben, Rohre aus flach gewalztem, etwa zu 75% kupferhaltigen Messingblechen zusammenzulöten, um sie dann aneinanderzufügen und beim Instrumentenbau zu verwenden.

Als Franz Anton Graf von Sporck auf seinen Reisen zwischen 1680 und 1682 an den französischen Hof in Versailles kam, lernte er die dort noch "Trombe de Chasse" genannten Jagdhörner kennen. Bald stand sein Entschluss fest: Eine solche Jagdmusik sollte es nun auch in seiner böhmischen Heimat geben. Als er wieder zu Hause war, schickte er die Jäger Wenzel Sweda und Peter Röllig nach Versailles, dass sie dort das Hornspiel erlernen und es später zu Hause verbreiten sollten. Das führte zu dem markanten Wendepunkt, an dem der von Frankreich vorher unbestritten gehaltene Entwicklungsvorsprung an Böhmen überging.

Der Sprung ins Orchester geschah, als die Kleinen und Unbekannten um Lande begannen, das Jagdhorn als richtiges Musikinstrument zu entdecken. Schon um 1670 schrieb im stillen Kremsier (Kromeriz), dem Sommersitz des Fürsterzbischofs vom Olmütz (Olomouc), ein unbekannter Meister eine "Sonata da Caccia con un Cornu".

Schöne, ganz neue, weit und trotzdem sehr elegant gewundene Jagdhörner, die später so schnell berühmt gewordenen Parforcehörner, ermöglichten es, so hoch zu spielen, wie es heute noch der Fall ist.

Um 1700 begannen die Gebrüder Johann und Michael Leichamschneider in Wien als erste, einwindige Parforcehörner so eng zusammenzuziehen, dass sie nun doppelt gewunden, ihre Durchmesser annähernd halbierten und so zu Waldhörnern wurden.

In den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts wird es in ganz Europa wohl kaum noch eine Kapelle von Rang und Ruf gegeben haben, die nicht mindestens zwei Hornisten zu ihrem festen Personalbestand zählen konnte. Die meisten von ihnen waren früher Jäger, die dann als Musikanten und Hornisten ihr Glück versuchten.

Sie haben es sich längst abgewöhnt, mit hocherhobenen Trichtern fanfarenhaft wie Jäger zu blasen. Auf Hörnern galt es nun nicht mehr extrem hohe Fanfaren herauszuschmettern, sondern sich mit schönen, runden und weichen Tönen der Bläserharmonie des Orchesters anzupassen.

Die Hornisten spielten damals auf Hörnern, bei denen man durch Aufsatzteile auf das Mundrohr zum Beispiel ein G-Horn in ein Horn in Ges, F, E, Es, D oder auch C verwandeln konnte.

Auch Anton Joseph Hampel spielte auf so einem Horn. Unentwegt arbeitete er daran, den Hornton zu verschönern. Dabei kam er auf die Idee, den bisher noch rohen, stets offenen und wenig veränderbaren Klang des Horns durch die Einführung der Hand in den Schallbecher etwas abzudecken und ihm erst dadurch die charakteristisch dunkle, warme und ausdrucksfähige Fülle des echten Horntons zu verleihen.

Er veranlasste auch den Dresdner Instrumentenbauer Johann Werner, die Stimmbögen so einzurichten, dass sie nun inmitten des Hornrohres eingefügt werden konnten. Das Horn wurde dadurch bedeutend ansehnlicher.

Im Jahre 1818 erfand der Hornist Heinrich Stölzel das Ventil. Er hat zuerst nur zwei Ventile eingebaut, die man mit den Fingern problemlos niederdrücken konnte, und sie dann durch angebrachte Federn von selbst in ihren vorigen Stand gesetzt wurden. Das erste Ventil erniedrigte den Naturton um einen ganzen, das zweite um einen halben Ton. Die Instrumentenmacher Müller in Mainz und Sattler in Leipzig fügten 1819 noch ein drittes Ventil hinzu, das den Ton um anderthalb Töne (kleine Terz) vertiefte. Auch die ursprünglich mit zwei Fingern der rechten Hand bediente Maschine wurde auf die andere Seite verlegt, also links gegriffen. Nun war die rechte Hand wieder frei und konnte im Schallbecher wieder kleinere oder auch größere Stimmungsfehler korrigieren. SIZE="-2"  Durch diese Erfindung ist das Horn auf die Stufe der Vollkommenheit gehoben, auf der es sich im wesentlichen noch heute befindet. Es hat aber dennoch lange gedauert bis sich dieses Ventilhorn durchgesetzt hat. Man behauptete nämlich, die neuen Instrumente besäßen nicht den schönen poetischen und weichen Waldhorn - Ton der Naturinstrumente. Nach und nach wurden die Ventilhörner aber verbessert, so dass sich kein Unterschied mehr feststellen lies. Es hat sich eingebürgert, dass heute viele Hornisten das B-Horn blasen. Zwar hat dieses Horn einen härteren und grelleren Ton als das F-Horn, doch mit fleißigem Üben erreicht man ebenfalls einen schönen modulationsfähigen Ton. Die hohen Töne sind aber auf dem B-Horn eindeutig klarer und leichter zu blasen als auf dem F-Horn, weil die Naturtöne am B-Horn nicht so eng zusammenliegen wie beim F-Horn. Wenn es gut geblasen wird, ist meistens nicht festzustellen, ob der betreffende Hornist F- oder B-Horn bläst. Eine wichtige Erfindung ist auch das "Doppelhorn" das heute besonders oft verwendet wird. Das "Doppelhorn" besteht im Prinzip aus 2 Hörnern, einem F- und einem B-Horn, die in einem Instrument vereint sind. Der Hornist kann mit dem Daumen der linken Hand während des Spielens zwischen F- und B- Horn umschalten. Der Schallbecher ist bei den heutigen Doppelhörnern meist abschraubbar.

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