Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Bruck an der Mur setzt mit dem massiven Ausbau des Fernwärmenetzes einen weiteren Meilenstein in Sachen Nachhaltigkeit. Um einen noch höheren Autarkiegrad zu erreichen, wird ein zweites Fernheizkraftwerk in der Tragößer Straße errichtet. Ziel ist es, in den kommenden Jahren 80 Prozent der Stadt mit Biofernwärme zu versorgen.

Sonderamtsblatt NACHHALTIGE ENERGIE aus Bruck an der Mur für Bruck an der Mur

Mit der Nutzung erneuerbarer Energieformen entwickelt sich Bruck an der Mur immer mehr zum Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Neben der neuen Wehrkraftanlage in Oberaich, mit der jährlich 36 Gigawattstunden Strom (plus 44 Prozent) für rund 10.000 Kunden erzeugt werden, verfügt die Bezirksstadt bereits seit 2008 über ein umfangreiches Fernwärmenetz. Die Brucker Biofernwärme stellt mit dem Holz-Hackschnitzelwerk in der Lichtensteinstraße und mit der biogenen Abwärme der Papierfabrik Norske Skog CO2-neutrale Heizenergie bereit. Das Fernwärmesystem erspart bereits jetzt jährlich rund 12.000 Tonnen CO2.

„Diese ökologische Bilanz kann sich sehen lassen, es ist aber an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun“, meint Hannes Merl von der Brucker Biofernwärme. Durch die aktuelle geopolitische Situation und die dadurch explodierenden Gaspreise sei es ein Gebot der Stunde, das Fernwärmenetz Bruck weiter auszubauen. Um einen noch höheren Autarkiegrad zu erreichen, wird daher ein zweites Fernheizkraftwerk in der Tragößer Straße errichtet und das Verteilnetz somit in mehreren Stadtvierteln ausgebaut. Ziel ist es, in den kommenden Jahren 80 Prozent (aktuell: 55 Prozent) der Stadt mit Biofernwärme zu versorgen.

Lokale Antwort auf komplexe Herausforderungen
„Das neue Heizkraftwerk und die neue Wehranlage garantieren eine Versorgungssicherheit mit Fernwärme und Ökostrom und leisten somit einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz“, freut sich Bürgermeister Peter Koch, der auch auf die intelligente Projektpartnerschaft zur Wärmeversorgung mit der Papierfabrik Norske Skog verweist. Dort wurde erst in der Vorwoche eine neue Energieanlage um 72 Mio. Euro in Betrieb genommen. Durch den Einsatz regionaler Ersatzbrennstoffe und Reststoffe wird der Verbrauch von Erdgas um bis zu 75 Prozent verringert. Dies reduziert die Abhängigkeit des Unternehmens von russischen Gaslieferungen markant. Gleichzeitig werden die
fossilen CO2-Emissionen um bis zu 150.000 Tonnen pro Jahr verringert. „Bruck an der Mur will mit positiven Beispiel vorangehen und Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sein“, sagt Koch.

Massiver Ausbau 2022
Die erste Ausbaustufe in der Kreckerstraße, an deren Ende in der Grabenfeldstraße eine neue Kohlbacher-Siedlung entsteht, befindet sich bereits in Bau. In dieser Woche folgen die Ennstaler-Siedlungen in der Bienengasse und in der Rennerstraße, ab 9. Mai wird im Bereich der Tragößer Straße ab der Lamingfeldsiedlung gebaut. Ab Juli wird dann auch die Paulahofsiedlung an das Fernwärmenetz angeschlossen, im August folgen Franz-Liszt-Weg und Robert-Stolz-Weg, die Marburgerstraße und die Wüstenroterstraße. Im September ist der Anschluss der Sonnwiese 1 bis 7 geplant. Wer sein Haus heuer an die Fernwärme anschließen will, kann sich bis 30. Juni 2022 bei der Biofernwärme anmelden.

Erfolgsgeschichte seit 2008
Mit der Einführung eines biogenen Fernwärmenetzes leitete die Stadt Bruck an der Mur bereits vor 14 Jahren ein neues Zeitalter in der Energieversorgung ein. Die beiden maßgeblichen Köpfe hinter dem Projekt, Hannes Merl und Leo Riebenbauer, brachten das Projekt in Rekordzeit auf Schiene. Als Erstes wurde die österreichweit einzige Försterschule im Zuge eines großen Umbaus an die Fernwärme angeschlossen. Kurz darauf folgten das Pius-Institut, das Rathaus, die Mittelschule, die Volksschule Körner sowie zwei Wohnhäuser.

Das Fernwärmesystem in Bruck ist auf Basis von Hackschnitzel aufgebaut. Das hat gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Preise für Öl und Gas durch den Ukraine-Krieg explodieren, einen massiven Vorteil. Der Rohstoff Holz ist in der Region immer verfügbar und daher krisensicher. Öl und Gas werden nicht mehr das Vorkrisenniveau erreichen, hinzu kommt, dass ab 1. Juli CO2-Steuern für fossile Energien entrichtet werden müssen. Das Fernwärmesystem erspart derzeit jährlich ca. 12.000 Tonnen CO2. Holz ist CO2 neutral, das beim Verbrennen freigesetzte CO2 wird durch das Nachwachsen der Bäume wieder gebunden.

Abwärmenutzung bei Norske Skog. Im Jahre 2012 wurde die Papierfabrik Norske Skog mit der ersten Ausbaustufe in das Fernwärmesystem der Brucker Biofernwärme eingebunden. Sechs Jahre später erfolgte der nächste wichtige Schritt, um das Fernwärmesystem, das bis dorthin ca. 50 Prozent des Wärmebedarfs in Bruck deckte, zu erweitern. Um die Abwärmekapazitäten der Papierfabrik besser nutzen zu können, war es notwendig eine zweite Auskoppelungsspange zu bauen.

Energiebedarf. Der Energiebedarf im Bereich Wärme liegt in Bruck an der Mur bei ca. 50 GWh. Mit der Norske Abwärmenutzung ist eine Energielieferung mit bis zu maximal 70 GWh pro Jahr möglich. Die Biomasse wird zukünftig als Standby Ausfallreserve genutzt. Im Jahr 2019 installierte die Biofernwärme daher Pufferspeicher mit 600 m3 Inhalt als Spitzenlastausgleichsystem, um die Energielieferungsspitzen abzudecken.